Sydney Opera House
2015-09-24 12:09:49 • Sydney Opera House, CBD • weltenbummeln
Gestern haben wir abends noch die Karten für eine Opern-Führung bestellt. Hoch lebe das Internet! Halb zwölf sollten wir also an der Oper sein, unsere Karten abgeholt haben und der (deutschen!) Führung gespannt folgen.

Das Wetter heute war ganztägig durchwachsen, sodass wir nicht noch den knappen halben Kilometer laufen wollten, um zum Zug zu gelangen. Wir entschieden uns also den Weg in die Stadt heute mal mit dem Bus zurückzulegen. Die Busfahrt führte uns — nach anfänglichen Schwierigkeiten mit dem Fahrplan und der allgemeinen Pünktlichkeit — entlang einiger Wohnviertel, via Redfern Station und Central zum Central Business District, kurz CBD (oder was wir hier als Innenstadt und »Skyline« bezeichnen würden). Zeitlich gesehen natürlich wesentlich langsamer, allerdings mit mehr Ausblick und anderen Eindrücken erreichten wir den Circular Quay und liefen von dort aus zur Oper.

In der Oper angekommen, flanierten wir zum Box Office und holten unsere Tickets ab. Die übrige Zeit bis zur Führung haben wir auch noch irgendwie vertan und dann ging es auch schon los. Treffpunkt »just turn left, walk along the lift, walk through the corridor, then to the left and wait in front of the stage door at meeting point two«. Die eigentlichen Treffpunkte werden nämlich gerade saniert, deshalb erscheint das ganze hier etwas kompliziert. Wir haben aber alles gefunden und Gaby aus dem Sauerland — unser Guide — begann mit ihrer Führung. Vom Treffpunkt am »Vehicle Concourse« ging es ins westliche Foyer, welches erst nachträglich angelegt wurde, entlang zwei kleinerer Theatersäle zum »Drama Theatre«. In diesem mit reichlich 500 Plätzen größten der drei Studio-Theater erfuhren wir erste Details zum Opernhaus und nahmen auf den äußerst bequemen Sitzen platz. Fotografieren war hier nicht gestattet — Copyright für das Bühnenbild.

Mit zwei kurzen Filmen über den mit sieben Millionen Dollar veranschlagten Bau (der eigentlich nur zweite Wahl war) und Unzulänglichkeiten von Ingenieuren, Architekten und Regierungen ging die Führung dann weiter und wir befanden uns bereits im Vorraum des Konzertsaales, der mit einem (zugegebenermaßen sehr gewöhnungsbedürftigen) lila Bodenbelag ausgestattet ist. Der Konzertsaal selbst befindet sich in der westlichen Halle und ermöglicht es bis zu 2700 interessierten Besuchern einem Konzert zu lauschen. Der Saal beherbergt ebenfalls eine riesige Orgel, mit mehr als 10.000 Pfeifen die größte Australiens ist. Hier wurde uns übrigens auch das Geheimnis hinter der bequemen Bestuhlung verraten: Diese Stühle sind orthopädisch gestaltet, so dass man auch vierstündige Konzerte schmerzfrei super darin aushält und dank einer Gasdruckfeder klappen sie sehr leise hoch. Zu dem ist der obere Teil der Lehne aus Holz, während die Rückenlehne aus Stoff ist. Dies hat akustische Gründe und ist dem menschlichen Körper nachempfunden. Ob der Saal leer ist, wie bei einer Probe, oder voll ändert an der Akustik kaum etwas. Interessant!

Architektonisch gefiel mir der Theatersaal, das Joan Sutherland Theatre, wesentlich besser. Die Holzverkleidung war in diesem Saal schwarz gestrichen, die Ränge mit hellgrauem Beton ein super Kontrast dazu. Die in weiß und orange gehaltenen Stühle setzten weitere Akzente. Leider war auch hier auf Grund eines Bühnenbildes das Fotografieren nicht gestattet. Letzter Punkt auf der rund einstündigen Tour war der Jørn Utzon Raum, welcher vom Architekten des Hauses selbst entworfen wurde und der einzige Vorstellungsraum mit Fensterfront ist. Ein von ihm gestalteter Wandteppich ist das prägende Element des mit Parkett ausgelegten Raumes. 

Die Oper kostete zum Schluss übrigens mehr als einhundert Millionen Australische Dollar und die Bauzeit von drei Jahren wurde um knapp acht Jahre überschritten.


Nach der Tour begaben wir uns zum Mittagessen — traditionell Fish&Chips —, aber im Restaurant, nicht auf die Hand. Danach begaben wir uns noch auf die Suche nach einem gemütlichen Café und wurden auch schnell fündig: 

Im Costums-House, welches im Erdgeschoss gerade eine kostenlose Ausstellung zu Lichtinstallationen in der Architektur und ein Stadtmodell von Sydney zeigt, gibt es auch eine Bücherei, in der wir eigentlich nur kurz das Internet nutzen und unsere Postkarten schreiben wollten. Doch dann entdeckten wir, dass im Obergeschoss noch ein Café existiert. Wir stiegen also in den Lift. Level 1. Im vierten Stock befindet sich das Marketing und Office der Oper. Schon ab diesem Moment hätten wir uns Gedanken machen sollen. Ein Café in einer solchen Location? Mit Blick auf den Circular Quay, die Oper und die Habour Bridge? Oben angekommen standen wir sofort am Empfang des Restaurants, dessen Atmosphäre sich am besten mit VIP-Lounge beschreiben lässt, im Hintergrund lief ruhige Jazzmusik. Männer in Anzügen und Frauen in Kostümen saßen beim Lunch oder Champagner, wir wollten doch eigentlich nur einen Kaffee...! Ok, wir haben auch unsere Cappuccinos bekommen. Ungelogen! So einen guten Cappuccino habe ich bis dato nicht genossen. Die petit-four waren allerdings wie immer, na sagen wir mal »minimalistisch«.

Nach dem Kaffee ging es nun zu unserem Verdauungsspaziergang in die Häuserschluchten. Auf dem Hinweg hatte ich einige hübsche Wolkenkratzer entdeckt, die es so gut es ging zu fotografieren galt. Wir liefen also los und nach kurzem Berghoch erreichten wir schon das Museum of Sydney. An dessen Tür prangte das Schild für eine Ausstellung mit dem Titel »Superhouses« — die musste ich mir ansehen. Die Ausstellung zeigte Häuser, meistens aus Australien, aber auch weltweit, und warum diese — jedes für sich — ein Superhaus sind. Und was ein Superhaus denn eigentlich überhaupt ist. Ein Gebäude, welches sich weder durch besondere Größe noch besondere Kosten qualifiziert, sondern durch das Nutzen von Topografie und Vegetation des Grundstücks, clevere Nutzung von Grundstücken oder Funktionalität im Allgemeinen. Sehr lohnenswert!

Wir setzten danach unseren Spaziergang Richtung Hyde Park fort und fotografierten dort vor allen Dingen die für uns sonderbar anmutende Vegetation aus Palmen, Riesenfarnen und allerlei anderen Pflanzen, die wir uns außerhalb des Blumentopfes kaum vorstellen können. Zu guter Letzt traten wir den Heimweg per Bus an und schmieden jetzt Pläne für den morgigen letzten Tag in Sydney.

(geschrieben in Sydney um 20 Uhr lokaler Zeit)

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