Rainbow Beach Allradtour
2015-10-02 06:30:24 • Rainbow Beach, Allradtour • weltenbummeln
Der Campingplatz in Noosa war himmlisch! Jeder Stellplatz war mittels Palmen vom nächsten abgegrenzt und die Papageien sangen in den Wedeln der im Winde wiegenden Palmen. Dennoch mussten wir weiterfahren. Unsere Route führte uns vorgestern an den »Rainbow Beach«, der seinen Namen vom farbigen Strand erhalten hat (Dazu später mehr!).

Nach einer etwa zweistündigen Tour über den »Bruce Highway« und einem kleinen Abstecher über das »Mary Valley« bis nach Gympie und von dort aus weiter nach »Tin Can Bay« fanden wir ein kleines Café an dem ich die ersten (und bis jetzt besten) Pancakes meines Lebens gegessen habe, stilecht mit dem dazugehörigen Ahorn Sirup. »Awesome!«, wie der Australier sagen würde. Wir haben uns dort die Zeit etwas vertrieben und sind am Nachmittag bis nach Rainbow Beach gefahren. Offensichtlich waren wir auf dem Campingplatz, den wir schon vor zwanzig Jahren angesteuert hatten. Unser erster Weg führte uns bis an den Strand — endlich mal nicht den ganzen Tag Autofahren hat eben seine Vorteile! In der warmen Luft lag eine steife Brise vom Meer aus, die die Wellen an den Strand wehte. Baden am ganz und gar nicht überlaufenden Strand gehörte auch dazu. (Die reichlich 24°C schienen den Einheimischen einfach noch zu frisch zu sein.) Die Wassertemperatur war mit etwa 20°C auch schon angenehm. Nur die Wellen warfen mich des öfteren um. Zum Trocknen wieder an den Strand gelegt, verbrachten wir so den Nachmittag. Wir gingen dann noch eine Runde am Strand und dann zurück zum Van (und zur Dusche. Das Salz am Körper mag ich überhaupt nicht!). Am Himmel kündigte sich das für die Sommerzeit typische abendliche Gewitter bereits an, so dass wir den Van schlaffertig gemacht und den Abend in selbigem verbracht haben.

Am nächsten Morgen sind wir wieder Pancakes essen gegangen (ich bin auf den Geschmack gekommen!) und haben eine Halbtagstour entlang des Strandes mit einem Allradfahrzeug gebucht (unser kleiner Van wäre dafür eindeutig nicht geeignet gewesen...). Bis dahin verbrachten wir die Zeit mit einpacken und neuen Zeltplatz suchen und das Besuchen des »Carlo Sand Blow«. Das ist eine riesige Wanderdüne, die mit einer Höhe von 120 Metern über dem Strand liegt und sich langsam ins Innere des Landes fortbewegt. Steht man in der Mitte dieses Sandfeldes, fühlt man sich wie in der Wüste.

Am Nachmittag parkten wir in der Nähe des vereinbarten Treffpunkts und ein freundlicher Australier — Glen — sammelte uns und eine weitere Dame aus der Schweiz ein. Unsere Tour ging zu erst über die Hauptstraße (och, wie schade), führte uns dann aber sofort auf eine »Gravel Road« direkt in den »Great Sandy National Park«, der seinen Namen nicht umsonst erhalten hat. Glen erzählte uns allerhand über die Vegetation und die Geschichte des Nationalparks, über die Aborigines und vieles mehr, während wir mit dem Auto über sandige Pisten, die außer zwei Spurrinnen nur aus einer Autobreite Sand bestanden, fuhren. Die ganze Strecke ist übrigens zweiseitig befahrbar. An gewissen Stellen (zum Beispiel an den steilen Sandhängen oder auf dem Grat einer Sanddüne möchte man allerdings keinem Gegenverkehr (Camper, Müllautos, Jeeps) begegnen. Glen meistert die Strecke nun schon seit mehr als dreizehn Jahren. Wir fühlen uns sicher. Auf dem Weg zum Strand passieren wir ein »Day Use Area«, an dem neben Toiletten auch Duschen und Frischwasser bereitgestellt wird. Mitten im Nirgendwo! Während der Fahrt begegnen uns öfter Fahrzeuge im Gegenverkehr und ich konnte mir die Bemerkung, dass die Straße ja ziemlich rege genutzt wird, nicht verkneifen. Glen lachte laut. Er sagte, dass das hier gerade ziemlich leer sei, in der Hauptsaison passieren hier mehrere tausend Fahrzeuge in beide Richtungen die landschaftlich schöne Route zwischen Noosa Heads und Rainbow Beach, um den sonst zweihundert Kilometer Umweg auf nur 60km einzukürzen. Täglich. Ich schluckte. Immerhin befanden wir uns in mitten eines Nationalparks mit allerhand Getier und Vegetation. Stau mitten im Paradies? Das ging nicht in meinen Kopf.  Am Strand angekommen. Wir blinkten rechts und bogen auf den Beach-Highway ein. Ein Schild mit einer großen 80 verkündet: Hier gelten Regeln. Ich musste schon über das Blinken schmunzeln, es wurde aber noch besser: Der Strand ist eine real existierende Straße, besser als so manche Asphalt Straße die wir zuvor befahren hatten. Es gilt Linksverkehr, man muss blinken, wenn man abbiegen will. Es gibt häufige Geschwindigkeitskontrollen und Alkoholtests. 

Ab einem bestimmten Abschnitt des Strandes, gibt es die Möglichkeit direkt an den Dünen seinen Wohnwagen aufzubauen und sein Nachtquartier am wohl schönsten Campingplatz der Welt aufzuschlagen. Wohlgemerkt für 5,50$ pro Nacht, plus dem Permit, also der Erlaubnis zum Befahren des Strandes für reichlich zehn Dollar am Tag. Würden wir in diese Richtung weiterfahren, wären wir in vierzig Kilometern in Noosa. Wir drehen um, immerhin haben wir ja noch einiges vor heute.

Dank der Ebbe ist der »Highway« nun reichlich einhundert Meter breit, aalglatt (Glen schmunzelt, wenn er sagt, dass die Straße zweimal am Tag repariert wird), der Verkehr läuft flüssig. Hin und wieder sehen wir einen Wohnwagen am Rande parken, Campingstühle auf der Düne oder Kinder am Meer spielen, eins rennt uns fast vor den Wagen (aber wir haben ja »Bull Bars«, für irgendwas müssen die ja da sein, witzelt unser Chauffeur). Wir fahren nun in Richtung »Double Island Point«, einem Kap mit Leuchtturm, der, wie Glen uns erzählt, in Großbritannien Anfang des 19. Jahrhunderts vorgefertigt wurde und dann nur noch hier her verschifft und aufgebaut wurde. Dieser Punkt ist auch eine Sackgasse am Strand — die Basaltfelsen ragen soweit ins Meer, dass das Umfahren auch bei Ebbe nicht möglich ist. Der Strand kurz vor dem Anstieg zum Leuchtturm ähnelt einer Autoshow. Allerlei Allradfahrzeuge konnten wir bestaunen. Die einzige Besonderheit: Der Parkplatz wird bewacht. Aber nicht etwa die Autos, sondern die Surfer und Schwimmer. Von den Lifeguards. Diese patrouillieren entlang der gesamten Route zwischen den Orten. Mit Jeep, Surfbrett und Jetski. Glen parkt das Auto direkt vor einem mit Schlössern versehenen Gate, hinter dem sich eine steile mit Holzbohlen ausgelegte Fahrspur den Berg hinauf schlängelt. Wir sind die einzigen, die hier mit dem Auto die rund hundert Höhenmeter zurücklegen dürfen und fühlen uns privilegiert. In der Sonne wöllten wir hier weiß Gott nicht hoch und runter laufen. Mit dem Jeep ist das ganze angenehmer. Wenn auch ziemlich holprig. Auf jeden Fall werden wir von den Wanderern schräg angeguckt. »Can you give us a ride?!« Ist der häufigste Satz, den ich höre. Könnt ihr uns mitnehmen. Nope, wir sind schon voll. Oben angekommen genießen wir den Ausblick und beobachten Wale. Ich kann meine Augen gar nicht vom schier unendlichen Strand zu beiden Seiten des Leuchtturms lösen, am Turm prangt das Schild »Maritime Navigation Aid. Trespassers could endanger lifes!«. Maritime Navigationshilfe. Unbefugtes Betreten könnte Leben gefährden. Etwas unterhalb vom Leuchtturm liegen zwei Cottages. Die Hütten des Leuchtturmwärters und seines Kollegen. Sie werden mittlerweile vermietet, die Warteliste ist zwei Jahre lang. Glen erzählt, dass vor einiger Zeit einige Vandalen und Idioten (diese nennt er immer »Peanuts«) den Fahnenmast ins Meer geworfen hätten. Besucher der Hütten sind verpflichtet Arbeitsstunden zu leisten. Für diesen Ausblick würde ich mich auch zwei Stunden in einen Infopunkt setzen und Menschen informieren. »Präsenz zeigen«, um Vandalismus zu unterbinden. Es scheint zu funktionieren. Ich gehe zurück zum Auto und Glen hat uns ein Picknick vorbereitet: Es gibt Tee und Kaffee sowie Kekse und Cakes. Lecker. Wir quatschen etwas. Dann treten wir den Weg zurück zum Strand an. Wir sehen Schildkröten im Wasser und Kampfjets im Konturflug entlang der Küste fliegen. In der Nähe gibt es ein Militärisches Gebiet, indem die Australischen Streitkräfte Afghanistan simulieren können. Von der sandigen Umgebung her und mit improvisierten Wüstendörfern werden die Soldaten auf die Realität vorbereitet.

Wir fahren wieder einige hundert Meter zurück und kreuzen den weichen Sand zu einer Verbindung zum Strand an der anderen Seite des Felsens, den wir vorhin nicht passieren konnten. Idyllisch gelegen kommen wir in einer Lagune an, Kinder spielen im Wasser und an den Dünen mit ihren Sandbords. Männer angeln und Frauen fotografieren. Wir erfahren von Glen, dass jährlich etwa achtzig Autos dem Meer überlassen werden müssen. Manche Fahrer überschätzen sich und die Tiefe des »flachen« Wassers, andere bleiben im Sand stecken oder stehen auf einer Sandbank, die sie vor Eintreffen der Flut nicht mehr verlassen konnten. Es gibt ein Fotoalbum mit Kuriositäten.

Wir verlassen die Lagune nach einem kurzen Spaziergang wieder, diesmal auf einem anderen Weg als zu vor. »I haven't used this track a couple of years, but it looks ok this time«. Spuren vor uns zeigen, dass die Strecke wieder passierbar ist. Fast geschafft, doch dann kommt ein Salzwasserloch. Und wieder zurück. Salzwasser mag Glen gar nicht an seinem Fahrzeug. Es beschleunigt die Korrosion und das Auto braucht er nun mal für seinen Job. Mehr als zehn Jahre darf er das Auto sowieso nicht fahren. Wegen der Betriebssicherheit für die Mitfahrer. Wir fahren nun weiter am Strand lang, wir nähern uns den Sanddünen, die dem Strand seinen Namen geben. Durch Meeresströmungen sammelten sich hier vor hunderttausenden Jahren Sand an und formten »Fraser Island«. Diese Sandinsel wiederum lenkte die Strömung in die Bucht hinein, an der sich fortan Sedimente der gesamten Ostküste, welche vom Inland durch Flüsse bis dorthin getragen wurden, ansammelten und die farbenfrohen Hänge schufen. Von weißem, über gelben und intensiv roten Sand, bis zu schwarzen »coffee rocks« (ein Gemenge aus verfaulter Vegetation und Sand) gibt es hier ein großes Farbspektrum. Deshalb: »Rainbow Beach« — Regenbogenstrand. 

Die Fahrt neigte sich nach reichlich drei Stunden durch die verschiedensten Teile des Nationalparks dem Ende entgegen. Wir haben den subtropischen Regenwald mit Hartholz, welches bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts weltweit exportiert wurde, weil es witterungsbeständig ist und durch seine hohen Ölanteile perfekt für den Außenbereich und maritime Bauten geeignet ist gesehen. (Die Bohlen, die für den Bau des Suezkanals genutzt wurden, kamen alle von hier!). Bäume, die von den Ureinwohner für ihre berühmte Holzkunst genutzt worden, entdeckt. Campingstühle zwischen dem spitzen Gras, welches die Dünen vor Erosion schützt, passiert. Himmlisch flache Lagunen mit klarem Wasser überquert und die bunte Steilküste mit ihrem farbigen Sand und klaren Frischwasserquellen  bestaunt. 

Ein wunderbarer Tag und der wahrscheinlich ereignisreichste, nach dem ersten Abend in Sydney, geht zu Ende. 

(geschrieben in Coolum Beach um 14 Uhr lokaler Zeit)

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